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Der Käfer ist nicht gefangen und ich „bin“ nicht krank (1)

Was hat ein verirrter Käfer im Sonnenschirm mit ME/CFS, mit dynamischen Systemen und mit Buddhismus zu tun? Und wie bringen mich solche kruden Verbindungen auf die Idee, nicht krank zu sein, obwohl ich kaum länger als eine Stunde aufrecht sein und höchstens einen km am Tag gehen kann? Wenn du mir jetzt nicht komplett meine Zurechnungsfähigkeit absprichst, dann musst du halt weiterlesen, um das zu erfahren…

Ein kleiner Käfer krabbelt in meinem Sonnenschirm herum und findet keinen Weg hinaus. Es liegt in seiner Natur, sich dem Licht zu zuwenden und vor allem bergauf zu krabbeln, denn das bringt ihn in seiner normalen Umgebung auf die Spitze eines Halms, wo er dann seine Flügel ausbreiten und zu den schönsten Blumenwiesen oder zum Hochzeitsflug starten kann.

Ist er jedoch erst einmal unter den Schirm geraten, wirken sich diese sonst förderlichen Verhaltensweisen fatal aus: Immer wieder krabbelt das Tierchen aufwärts bis in die Spitze der Kuppel, wo es nicht mehr weiter nach oben geht. Dann dreht es wieder um, läuft eine Weile entlang einer Strebe nach außen, der Freiheit entgegen. Je näher der Käfer dem Rand kommt, desto mehr geht es bergab, und das behagt ihm offensichtlich nicht. Er kommt ins Zögern, sucht eine neue Richtung und irgendwann schlägt er wieder zielsicher die Richtung zur Mitte ein, denn dorthin geht es bergauf, und dort oben kommt das Licht her.

So pendelt das arme Käferchen immer wieder hin und her und wird, je länger ich es in seinem scheinbaren Gefängnis beobachte, für mich zu einem Bild für meine Erkrankung:

So wie für den Käfer sein natürliches Verhalten zur Falle wird, nur weil er dummerweise in eine außergewöhnliche Umgebung geraten ist, so wurden für meinen Körper die natürlichen Regelmechanismen von Nerven- Hormon- und Immunsystem zur Falle, weil die gesamte Physiologie durch die auslösende Grippe in einen ungewöhnlichen Zustand geraten ist. Seit diesem Zeitpunkt halten mich die ansonsten förderlichen Gesetzmäßigkeiten dieser Regelkreise in dem Zustand der Krankheit fest.

Der Käfer ist aber nicht wirklich gefangen. Er müsste lediglich für eine kurze Zeit sein normales Verhalten ein Stück weit überwinden, dann könnte er einfach über den Rand des Schirms krabbeln und käme so aus eigener Kraft frei. (Ich hab ihm aber nach einer Weile geholfen.) Ähnliches gilt vermutlich auch für mich und die Krankheit: Wenn es mir gelänge, das Verhalten der physiologischen Regelkreisläufe geschickt zu verändern, könnte ich vermutlich ohne viel weiteren Aufwand einfach über den „Rand der Krankheit“ hinaus krabbeln und wäre wieder vollkommen Gesund. Womöglich wäre es dann nicht einmal nötig, dauerhaft mit Medikamenten auf die Physiologie Einfluss zu nehmen.

Woher nehme ich aber nun das Vertrauen zu glauben, dass diese Parallele in der beschriebenen Art tatsächlich zutreffen könnte? Das hat mit den Eigenarten von komplexen dynamischen Systemen zu tun und ich werde es in den nächsten Tagen hier in einer Fortsetzung erklären. Nebenbei kannst du dann auch noch was über den Klimawandel lernen, denn das Klima ist ebenfalls ein dynamisches System.

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2 Kommentare zu „Der Käfer ist nicht gefangen und ich „bin“ nicht krank (1)

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