ABC-Etüde Nr.1 – Auktion

Auf dem Blog „Irgendwas ist immer“ gibt es die ABC-Etüden:
Alle zwei Wochen spendet jemand drei Wörter und die Teilnehmer sind aufgerufen, einen Text mit höchstens 300 Wörtern um diese Begriffe herum zu basteln. Das hat mich gereizt, und ich nehme heute das erste Mal daran teil. Die Lock-Wörter lauten diesmal:


Geheimkünstler
sperrig
suggerieren

Hier mein Text, viel Spaß beim Lesen!

Auktion

Sehr verehrte Damen und Herren, als Nächstes versteigern wir ein Kunstwerk, wie Sie es ganz sicher noch nie zuvor gesehen haben. In unserer langen Unternehmensgeschichte als Auktionshaus kam es selten vor, dass wir die Ehre hatten, ein solchermaßen neuartiges Werk unter die Menschen zu bringen. Ein Werk, welches das Potenzial besitzt, eine gänzlich neue Sparte der Kunst zu eröffnen!

Und wenn Sie nun gespannt sind, endlich zu sehen, was sich in dieser sperrigen Verpackung aus Latten und Maler-Vlies verbirgt, so muss ich Ihnen gestehen: Mir geht es genauso. Und zudem komme ich nicht umhin, Sie zu enttäuschen: Denn Sie werden das Werk selbst nicht zu Gesicht bekommen. Ja, Sie haben richtig gehört: Selbst wenn Sie es ersteigern, werden Sie es niemals mit Ihren Sinnen erfassen können, denn es handelt sich laut Angaben seines Schöpfers um Geheimkunst.

Als solche wurde es von einem auch uns nicht bekannten Geheimkünstler an einem geheimen Ort geschaffen und wird nach der Auktion von ihm persönlich an einen weiteren ebenso geheimen Ort verbracht werden, wo es für die Dauer von hundert Jahren sicher verwahrt wird. Und wenn Sie sich nun vielleicht fragen, was Sie überhaupt davon hätten, dieses Kunstwerk zu ersteigern, so kann ich Ihnen nur versichern: Es wird tatsächlich voll und ganz Ihr Eigentum sein, sogar mit notarieller Beglaubigung. Es wird ihr Eigentum sein, so schreibt der Künstler selbst, genauso wie eine verlorene Uhr Ihr Eigentum ist, obwohl Sie nicht wissen, wo sie sich befindet. Weiter schreibt der Künstler mit viel Understatement, er könne dem Käufer natürlich nicht versichern, dass sich tatsächlich ein Gegenstand von Wert in der Verpackung befinde. Doch die Tatsache, dass sein Werk in unserem Hause versteigert würde, suggeriere zumindest, dass es sich um Kunst handeln müsse.

In diesem Sinne: Werden Sie der erste Besitzer von Geheimkunst! Das Mindestgebot beträgt 800.000 Pfund.

(genau 300 Wörter: Punktlandung!)

7 Kommentare zu „ABC-Etüde Nr.1 – Auktion

  1. Des Kaisers neue Kleider in Reinform! 😉 Geheimer geht es kaum!
    Herzlich willkommen bei den Etüdenverrückten! Du wirst schnell mitbekommen, dass ich das fast immer schreibe, ich meine es aber auch fast immer ernst: Komm ran, setz dich mit ans virtuelle Etüdenfeuer, geh bei den anderen lesen und kommentieren und fühl dich wohl in unserer Runde, wir sind immer offen für neue Gesichter! … 😉
    Du darfst so viele Etüden schreiben, wie du willst, das hast du schon mitbekommen, oder?
    Wenn was ist, dann frag, ich/wir helfe/n gerne weiter. 😀
    Herzliche Abendgrüße 😁✨🍷🍪🧀👍

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  2. Ist ja noch raffinierter als das zerschredderte Bild von Bansky. Das hat immerhin 9,8 Millionen Pfund gebracht. Aber 800.000 für ein Erstlingswerk ist auch nicht schlecht!

    Bitte weiter solch originelle Geschichten!

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