Verwandlungswunder mit Timingproblemen

Das schönste beim Schmetterlinge-Züchten ist wohl, wenn man das Schlüpfen eines Schmetterlings aus der Puppenhülle direkt miterleben kann. Das ist mir leider bisher nicht gelungen. Aber diesmal war wenigstens die Kamera dabei…

Gestern Abend habe ich für gute Beleuchtung gesorgt und die Kamera im Zeitraffer-Modus so eingestellt, dass sie alle 20 Sekunden ein Bild schießt. Das hat dann immerhin für gut fünf Stunden Aufnahmezeit gereicht. Und tatsächlich hat die Kamera auf diese Weise das Verwandlungswunder eingefangen, während ich geschlafen habe.

Und dann kam im Nachgang noch ein zweites Timingproblem dazu: Als der Kerl nach dem Flügel-Aushärten beschloss loszufliegen, hat es draußen geschüttet wie aus Eimern. Da flattert das arme Tier nun an der Fensterscheibe rum (konsequent zum Licht hin geflogen, wie sich das gehört) und würde sich dabei mit der Zeit erschöpfen und die Flügel ruinieren. Aber rauslassen, bei dem Wetter? Hast du schon mal bei strömendem Regen einen Schmetterling fliegen gesehen?

Das Dumme ist ja auch, dass der kleine „Summervogel“ (So heißen sie auf Allemannisch) gar nichts dafür kann. Er ist ja bei angenehmem Wohnzimmer-Klima gestartet. Da kann ich mich also nicht rausreden mit „Selber schuld, wenn du so dumm bist“. Ich muss wohl doch selbst die Verantwortung dafür übernehmen, dass ich in die natürlichen Abläufe eingegriffen habe. Denn in freier Natur hätte er bestimmt abgewartet, bis die Sonne scheint. Was also tun?

Mir ist eingefallen, dass ich auf der Internetseite eines Schmetterlings-Profis gelesen habe, was er macht, damit er seine exotischeren Exemplare zurück in ihre speziellen Biotope bringen kann, ohne dass sie sich während des Transports kaputt flattern: Er steckt sie einfach in eine Kühlbox. Das klingt jetzt krass, aber Insekten werden ja träge, wenn es kühl ist. Und der kleine Fuchs überwintert sogar als Imago (fertiger Schmetterling) und nicht als Ei oder Puppe. Das bedeutet, er kann sogar Frost ab und wird dann einfach starr.

Also hab ich ihn mit einer kleinen Plastik-Schatulle von der Fensterscheibe geholt und ihn flugs in den Kühlschrank verfrachtet. Zuvor natürlich ein paar Luftlöcher in den Deckel gemacht, denn ich wusste ja nicht, wie lange es regnen würde. Und tatsächlich ist er in der Kälte rasch ruhig geworden und hat sich bald gar nicht mehr geregt. So war das Füchschen dann ungefähr zwei Stunden lang kaltgestellt, bis die Sonne rauskam.

Dann hab ich die Schatulle mit auf den Balkon genommen und offen in die Sonne gestellt. Der arme Kerl war aber völlig gelähmt und lag wie tot auf der Seite. So habe ich zwei, drei Minuten lang bei ihm Wache gehalten, damit er während des „Auftauens“ nicht im letzten Augenblick noch von einem Vogel geholt wird. Langsam wurde mir schon etwas mulmig: Ob er sich vielleicht doch einen Schnupfen geholt hat? Oder gar eine waschechte Lungenentzündung? Ach, was hab ich nur angerichtet…

Aber dann, wie wenn jemand einen Schalter gedrückt hätte: Ein kurzes Zucken, und schon steht er wieder ganz normal auf seinen Beinen. Zwei Flügelschläge zur Probe, und – hui – schwingt er sich in die Luft, als hätte er noch nie was anderes getan, und als wüsste er überhaupt nicht, wie ein Kühlschrank von innen aussieht.

4 Kommentare zu „Verwandlungswunder mit Timingproblemen

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